Erholung funktioniert nicht auf Knopfdruck. Warum kleine Übergänge mehr bewirken als grosse Auszeiten.
Warum Erholung ein Prozess ist — kein Zustand
Viele Frauen erzählen mir: «Ich setze mich hin, mache nichts — und fühle mich danach angespannter als vorher.»
Das hat nichts mit persönlichem Versagen zu tun. Es zeigt, dass Erholung kein Zustand ist, den man auf Knopfdruck erreicht. Erholung ist ein Prozess, in den man langsam hineingeleitet werden muss.
Der Körper steckt noch im Arbeitsmodus. Offene Gedanken, Anspannungen, die nicht abgeklungen sind, ein flacher Atem. Der Ruhezustand fehlt nicht, weil du etwas falsch machst. Er fehlt, weil der Übergang noch nicht stattgefunden hat.
Erholung beginnt nicht in dem Moment, in dem wir uns hinsetzen. Sie beginnt davor — im Übergang zwischen Aktivität und Ruhe. Und sie entsteht leichter in Bewegung, im Kontakt mit Natur, in einem ruhigen Gespräch als im erzwungenen Nichtstun.
Es ist nicht der Stress. Es ist die Erwartung. «Jetzt sollte ich runterfahren.» «Jetzt muss ich mich erholen.» Und bei vielen Frauen ist Stillstand verknüpft mit: «Ich verliere Zeit.» «Ich müsste produktiv sein.» Das sind keine bewussten Sätze. Es sind Muster. Deshalb fühlt sich «nichts tun» selten leicht an.
Wie Erholung leichter entstehen kann — als Prozess, nicht als Ergebnis — ist einer der Schwerpunkte in Teil 3 meines Kurses.
— Eine Frage für dich
Welche Erwartung an Erholung setzt mich unter Druck — und was wäre stattdessen ein kleiner erster Schritt?
Elin Graf, M.Sc., ist eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin und Fachpsychologin für Psychotherapie FSP. In eigener Praxis in Horw bei Luzern begleitet sie Frauen mit Erschöpfung und anhaltender Belastung. Studio Klarzeit ist ihr Projekt für Frauen, die verstehen möchten, was sie erschöpft — statt nur Ratschläge zu bekommen.